Sie unterrichtet am College Sutherland, leitet eine Osteopathie-Praxis, engagiert sich in der Weiterbildung und spricht über ihren Beruf mit einer Präzision, die man selten hört. Jetzt ist Nicolle Homann neu in den Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie gewählt worden. Was das für die Branche bedeutet, was ein Berufsgesetz wirklich verändert und warum der Zeitpunkt für eine fundierte Ausbildung so gut ist wie lange nicht: Hier ist ihr Standpunkt.

Dass Qualität keine Selbstverständlichkeit ist, wissen alle, die sich länger in der Osteopathie bewegen. Der Markt ist unübersichtlich. Ausbildungen variieren stark in Umfang, Tiefe und Anspruch. Und staatlich geregelte Standards? Fehlanzeige, bis jetzt.
Genau hier setzt die Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie (BAO) an. Und genau hier ist Nicolle Homann ab sofort mitverantwortlich. Auf der Jahreshauptversammlung der BAO am 25. März 2026 wurde sie neu in den Vorstand gewählt, als Vertreterin des College Sutherland und mit einem klaren Programm.
Wenn du Nicolle noch nicht kennst: In unserem ersten Interview mit ihr haben wir bereits über osteopathische Lehre, Qualität und ihren Weg in die Osteopathie gesprochen. Dieses Gespräch vertieft genau das.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie ist für mich eine der zentralen Institutionen für Qualität in der Osteopathie in Deutschland. Sie vereint Schulen und Verbände und setzt genau dort an, wo es bislang keine staatlich geregelten Standards gibt.
Die BAO definiert Ausbildungsinhalte, überprüft Schulen, begleitet Prüfungen und sorgt mit ihrem Qualitätssiegel für Transparenz. Damit schafft sie Orientierung – für Studierende, für Therapeutinnen und Therapeuten und letztlich auch für Patientinnen und Patienten.
Was sie von anderen Verbänden unterscheidet:
Sie wirkt nicht nur berufsständisch, sondern strukturell – direkt in der Ausbildung.
Das BAO-Qualitätssiegel ist kein Marketinginstrument, sondern ein Qualitätsnachweis.
Für Schulen bedeutet es:
Sie verpflichten sich zu klar definierten Standards und lassen diese auch überprüfen.Für Studierende heißt das:
- transparente Ausbildungsstruktur
- nachvollziehbare Inhalte und Prüfungen
- ein Abschluss innerhalb eines qualitätsgesicherten Systems
Für Absolventinnen und Absolventen entstehen daraus reale Vorteile, etwa bei der Listung als Therapeut oder im Kontext der Kostenerstattung.
Das College Sutherland ist BAO-zertifizierte Schule.
Wer Osteopathie lernen möchte, sollte sehr genau hinschauen.
Entscheidend sind aus meiner Sicht:
- Umfang und Dauer der Ausbildung – kürzer und günstiger, heißt nicht besser – eine fundierte Ausbildung und das fachliche Können braucht Zeit
- medizinische Grundlagen
- klinische Praxisanteile
- Qualität der Prüfungen
- externe Qualitätssicherung
Und ganz wichtig: Passt die Ausbildungsform zur eigenen Lebenssituation?
Die BAO bietet hier eine wichtige Orientierung, weil zertifizierte Schulen genau diese Kriterien erfüllen müssen.
Im aktuellen Koalitionsvertrag ist erstmals festgehalten, dass die Osteopathie berufsgesetzlich geregelt werden soll. Das ist ein bedeutender Schritt.
Ein solches Gesetz würde vor allem eines bringen:
mehr Klarheit – für Ausbildung, Berufsausübung und Patientensicherheit.Gleichzeitig ist entscheidend, wie dieses Gesetz ausgestaltet wird.
Die BAO setzt sich dafür ein, dass:
- hohe Qualitätsstandards übernommen werden
- bestehende, bewährte Ausbildungswege berücksichtigt werden
- sowohl akademische als auch berufsbegleitende Modelle abgebildet werden
Gerade deshalb ist jetzt ein guter Zeitpunkt, mit einer fundierten Ausbildung zu beginnen. Wer heute qualitativ hochwertig ausgebildet wird, ist für kommende Entwicklungen sehr gut aufgestellt.
Ja, unter einer Bedingung: Qualität.
Wer jetzt eine strukturierte, umfassende Ausbildung beginnt, hat sehr gute Chancen, die späteren Anforderungen eines Berufsgesetzes zu erfüllen oder gezielt ergänzen zu können.
Wichtig ist:
Nicht „schnell beginnen“, sondern richtig beginnen.
Die BAO bewertet nicht pauschal einen Weg als überlegen.
Es kommt auf die Ausgangssituation an:
- ohne medizinischen Hintergrund → Vollzeitstudium / Vollzeitausbildung
- mit Gesundheitsberuf → berufsbegleitende Ausbildung
Entscheidend ist nicht der Titel allein, sondern die Qualität und Tiefe der Ausbildung.
Die ersten Jahre sind intensiv.
Viele merken schnell:
Osteopathie ist mehr als Technik.Wichtige Themen werden:
- klinisches Denken
- Differentialdiagnostik
- Kommunikation
- Verantwortung im Behandlungsprozess
- ggf. unternehmerische Aspekte
Deshalb ist kontinuierliche Fortbildung beispielsweise mit postgradualen Kursen essenziell.
Aus meiner Sicht – und im Sinne der BAO – sind drei Dinge zentral:
- Fundierte medizinische Grundlagen
- Sichere manuelle Fähigkeiten
- Klinische Entscheidungsfähigkeit
Diese Kombination entscheidet über Qualität in der Praxis.
In zehn Jahren sehe ich die Osteopathie in Deutschland deutlich klarer strukturiert:
- definierte Ausbildungswege
- verbindlichere Qualitätsstandards
- mehr rechtliche Sicherheit
- stärkere Position im Gesundheitssystem
Die Grundlage dafür wird aktuell gelegt.
Was hat dich zur Osteopathie gebracht?
Mich fasziniert an der Osteopathie die Verbindung aus Medizin, manueller Präzision und ganzheitlichem Denken.
Sie fordert ein hohes Maß an Wissen, Wahrnehmung und Verantwortung – genau diese Kombination macht sie für mich so besonders.
Und sie bleibt spannend, weil man nie aufhört zu lernen.
Was würdest du Zweiflern gern sagen?
Osteopathie ist ein anspruchsvoller, aber sehr erfüllender Beruf.
Wer sich dafür entscheidet, sollte:
- Interesse an Medizin haben
- gerne praktisch arbeiten
- Verantwortung übernehmen wollen
- bereit sein, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln
Wer das mitbringt, findet hier ein sehr sinnvolles und langfristig erfüllendes Berufsfeld.
Und hättest du noch einen Satz zum Schluss?
„Osteopathie braucht keine Vereinfachung – sie braucht Qualität.“
→ Das BAO-Qualitätssiegel ist ein struktureller Standard, kein Marketinginstrument
→ Die Wahl der Ausbildungsschule entscheidet über die Zukunftsfähigkeit im Beruf
→ Ein Berufsgesetz kommt. Wer heute richtig ausgebildet wird, ist gut aufgestellt.
→ Qualität zeigt sich nicht im Tempo der Ausbildung, sondern in ihrer Tiefe
→ Kontinuierliche Fortbildung ist kein Optional, sondern Berufsrealität
Tipp: Prüfe bei jeder Schule, ob sie BAO-zertifiziert ist. Die BAO-Schulliste gibt Auskunft. Das Siegel bedeutet: Diese Schule hat sich überprüfbaren Standards verpflichtet.
Weiterlesen:
→ Erstes Interview mit Nicolle Homann: Osteopathische Lehre am College Sutherland
→ BAO: Neuer Vorstand gewählt, April 2026
→ BAO: Nicolle Homann im Vorstand der BAO, Interview
→ BAO: Das Qualitätssiegel im Detail
→ BAO-Therapeutenliste: Zertifizierte Osteopathinnen und Osteopathen
Das College Sutherland bietet drei Wege zur qualitätsgesicherten Osteopathie-Ausbildung:
→ Berufsbegleitende Osteopathie-Ausbildung in Teilzeit für medizinische Fachkräfte
→ Bachelor of Science im Studiengang Osteopathie, Teilzeit für Berufstätige
→ Bachelor of Science im Studiengang Osteopathie, Vollzeit für Schulabgängerinnen und Schulabgänger
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