Julia Miglus Osteopathisches Faszientraining Postgradualer Osteopathie Kurs

Julia Miglus ist staatlich anerkannte Physiotherapeutin, Heilpraktikerin für Physiotherapie, zertifizierte Faszientrainerin und Pilatestrainerin, Kinderbobath-Therapeutin und Mitglied im Berufsverband für funktionelle Osteopathie. Sie unterrichtet das Osteopathische Faszientraining am College Sutherland und leitet mehrmals im Jahr an unseren Standorten in Berlin und Hamburg die postgraduale Kursleiterausbildung im Osteopathischen Faszientraining. Im Gespräch erzählt sie, wie zwei Säuglinge sie zur Osteopathie führten, warum weniger in der Behandlung oft mehr ist und was es bedeutet, einen wertfreien Raum zu schaffen.

Was Julias Weg besonders macht: Die Osteopathie hat sie nicht über ein Studium gefunden, sondern über das direkte Erleben als Mutter. Was sie bei ihren eigenen Kindern beobachtete, hat ihre berufliche Haltung bis heute geprägt.

Eine Mutter, zwei Töchter und ein Funke

Wie bist du überhaupt auf die Osteopathie aufmerksam geworden?

Mit meinen beiden Töchtern war ich, als sie Säuglinge waren, wegen Bewegungseinschränkungen und Unruhe bei Osteopathen. Ich war fasziniert und bewegt, wie schnell sich ihre Schwierigkeiten auflösen ließen. Seitdem hat mich das Thema Osteopathie nicht losgelassen.

Der Einstieg war also kein akademischer, sondern ein zutiefst persönlicher. Wer beobachtet, wie ein sanfter osteopathischer Eingriff ein unruhiges Säuglingssystem beruhigt, versteht auf einer ganz anderen Ebene, was diese Therapieform leisten kann. Für Julia war das kein Moment der intellektuellen Überzeugung, sondern ein emotionaler Ankerpunkt, der ihre spätere Spezialisierung im Faszientraining und ihre Haltung in der Behandlung bis heute prägt.

Überraschung: Der Körper als Kompass

Was hat dich während der Ausbildung am meisten überrascht?

In der Manuellen Therapie-Ausbildung hatte ich oft mit heftigen körperlichen Reaktionen, verursacht durch Instabilitäten, nach den Seminaren zu tun. Zuerst war ich skeptisch, ob ich mich noch einmal körperlich auf eine intensive Ausbildung einlassen will. Ich war dann überrascht, dass ich mich bei den Osteopathie-Seminaren und auch danach sehr gut fühlte und mein Körper immer stabiler und ausgeglichener war.

Das ist ein Hinweis, der für viele Therapeutinnen und Therapeuten relevant ist, die aus der Manuellen Therapie kommen: Die Intensität einer Ausbildung muss nicht mit körperlicher Erschöpfung einhergehen. Die osteopathische Grundhaltung, sanft, systemisch und auf den inneren Heilungsprozess ausgerichtet, wirkt sich nicht nur auf die Patientinnen und Patienten aus, sondern auch auf die Behandelnden selbst.

Weniger ist mehr, aber nur wenn man versteht warum

Gab es einen Moment, der dein Verständnis von Körper und Gesundheit grundlegend verändert hat?

Ja, dass das Wenige in der Behandlung oft Mehr ist und ich nicht therapiere oder heile, sondern ein gemeinsames Arbeiten zwischen Behandlerin und Behandelten die Grundlage für eine positive Veränderung ist.

Dieses Verständnis ist einer der zentralen Paradigmenwechsel in der Osteopathie. Der Körper heilt sich selbst, wenn die richtigen Bedingungen geschaffen werden. Die Therapeutin ist nicht die Akteurin, die einen defekten Mechanismus repariert, sondern die Begleiterin eines Prozesses, der im Organismus selbst angelegt ist. Wer diese Haltung wirklich verinnerlicht hat, behandelt anders.

Hände, die feiner werden

Wie hat die Ausbildung deine Hände verändert?

Osteopathie ist für mich wie ein Kunsthandwerk. Je länger ich arbeite und lerne, desto feiner wird das Spüren. Ich freue mich schon auf die nächsten 10 Jahre.

Palpation lässt sich nicht im Schnelldurchlauf erlernen. Sie entsteht durch Wiederholung, durch Aufmerksamkeit und durch die Bereitschaft, immer feiner zu unterscheiden. Julias Formulierung „Kunsthandwerk“ trifft etwas Wichtiges: Es ist eine Verbindung von technischem Können und sensorischer Reife, die sich über Jahre entwickelt, nie abgeschlossen ist und genau darin ihre Faszination liegt.

Der wertfreie Raum als Voraussetzung für alles

Wenn du an eine Patientin oder einen Patienten denkst, bei dem du wirklich etwas bewirken konntest, was kommt dir in den Sinn?

Für mich ist es wichtig, zu allererst einen wertfreien und geschützten Raum zu schaffen. Erst dann ist es möglich, gemeinsam miteinander zu arbeiten. Ich versuche, alle Menschen so anzunehmen, wie sie sind, und mache ihnen kein schlechtes Gewissen. Das ist für mich die Voraussetzung für alles, was danach kommt.

Julia nennt keinen spezifischen Fall, sondern eine Haltung. Das ist kein Ausweichen, sondern eine präzise Aussage: Wirkung in der Behandlung entsteht nicht zuerst durch Technik, sondern durch Beziehung. Der therapeutische Raum muss sicher sein, bevor der Körper bereit ist, sich zu öffnen. Das ist in der Osteopathie kein weicher Zusatz, sondern eine klinische Grundlage.

Was Osteopathie mit dem Leben zu tun hat

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, ob Osteopathie der richtige Weg ist?

Gehe zu einer oder vielleicht sogar mehreren Behandlungen, auch bei unterschiedlichen Therapeuten. Lass dein Bauchgefühl sprechen: Ist es das, wie ich arbeiten will? Kann ich mir vorstellen, so anderen Menschen nahe zu sein? Kann ich mich auf andere vollkommen wertfrei einlassen?

Das ist ein ehrlicher Rat. Die Entscheidung für die Osteopathie ist keine rein akademische, sie ist auch eine Entscheidung für eine bestimmte Art der Nähe, der Aufmerksamkeit und der inneren Haltung. Wer nicht nur das Handwerk, sondern auch die Fragen ernst nimmt, die Julia stellt, trifft die Entscheidung auf einem soliden Fundament.

Was bedeutet Osteopathie für dich persönlich in einem Satz?

Osteopathie heißt für mich, in die Zentrierung und zugleich in die Durchlässigkeit zu kommen, den Still-Point zu finden. Das kann man auf alle Lebensbereiche übertragen.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch

→ Persönliche Erfahrung kann ein stärkerer Ausgangspunkt sein als jede akademische Überzeugung.

→ Die Osteopathie-Ausbildung fordert den Körper anders als die Manuelle Therapie: stabilisierend statt destabilisierend.

→ Weniger Intervention, mehr Zuhören: Das ist kein Verzicht auf Kompetenz, sondern Ausdruck davon.

→ Palpation ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der sich ein Leben lang verfeinert.

→ Wertfreie Präsenz ist keine therapeutische Haltung unter vielen, sondern die Grundlage für alle anderen.

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Osteopathisches Faszientraining mit Julia Miglus

Wer das Osteopathische Faszientraining nicht nur anwenden, sondern eigenständig unterrichten möchte, findet bei Julia die passende Weiterbildung. Die postgraduale Kursleiterausbildung im Osteopathischen Faszientraining findet mehrmals im Jahr an unseren Standorten in Berlin und Hamburg statt und richtet sich an Osteopathinnen, Osteopathen, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die ihr myofasziales Wissen professionell weitergeben möchten.

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Das College Sutherland bietet drei Wege zur staatlich anerkannten Osteopathie-Ausbildung:

→ Berufsbegleitende Osteopathie-Ausbildung für medizinische Fachkräfte
→ B.Sc. Studium mit Abschluss in Osteopathie – Teilzeit für Berufstätige
→ B.Sc. Studium mit Abschluss in Osteopathie – Vollzeit für Schulabgänger

Standorte: Berlin | Hamburg | Stuttgart


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