
Andreas Brandl verbindet Welten. Als systemischer Hypnotherapeut kam er zur Osteopathie, heute forscht er an der TU München in der Fascia Research Group und lehrt am College Sutherland. Im Interview spricht er über den Scheideweg, an dem die Osteopathie steht, über die Demut in der Palliativmedizin und darüber, warum gerade jetzt der richtige Moment ist, diesen Beruf mitzugestalten.
Wie bist du überhaupt auf die Osteopathie aufmerksam geworden? Was war der Moment, in dem du wusstest: Das will ich machen?
Ich war lange Jahre als Systemischer Hypnotherapeut tätig. Der Körper spielt dabei eine wichtige Rolle, schließlich leben wir ja durch ihn erst. Da lag es nahe, sich auch einem manualtherapeutischen Zugang zu erschließen. In der Osteopathie sah ich eine Philosophie, die der Systemtheorie und dem Konstruktivismus sehr ähnlich ist. Berührung ist vermutlich die älteste Kommunikationsform der Menschheit überhaupt. Als Osteopath darf ich mit meinen Händen, mit absichtsvoller Berührung, diese wundervolle Art miteinander in Kontakt zu treten nutzen und Prozesse unterstützen, die heilend wirken.
Warum hast du dich für das College Sutherland entschieden? Was hat den Unterschied gemacht?
Der Name Sutherland steht einmal für einen Vordenker seiner Zeit. William Garner Sutherland dachte über den Tellerrand seiner Zeit hinaus und entwickelte bis dato unbekannte Konzepte in der Osteopathie. Auf der anderen Seite sollte gerade dieser Pionier- und Entdeckergeist Sutherlands uns heute mehr denn je ermutigen, diese Konzepte zu hinterfragen, im historischen Kontext zu bewerten und nach dem heutigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis neu zu denken. Das am College Sutherland umzusetzen macht für mich den Unterschied.
Was machst du heute und was erfüllt dich daran am meisten?
Neben meiner Arbeit in der osteopathischen Praxis bin ich begeistert in der akademischen Lehre und der osteopathischen Ausbildung tätig. Außerdem bin ich Mitglied der Fascia Research Group an der Technischen Universität München und forsche begeistert an der Schnittstelle zwischen Bindegewebe und Therapiewissenschaft.
Wenn du an einen Patienten denkst, bei dem du wirklich etwas bewirken konntest, was kommt dir in den Sinn?
Ich arbeite viel und gerne im Bereich der Palliativmedizin. Menschen auf ihren letzten Wegen auf dieser Welt zu begleiten lässt mich als Therapeut bescheiden werden. Wir nehmen diese Welt durch unseren Körper wahr. Wenn der Körper langsam stirbt, verabschieden wir uns damit auch von dieser Welt und wenden uns dem Tod zu. Diesen Prozess begleiten zu dürfen und daran mitzuwirken die verbleibende Wahrnehmung auf die letzten wichtigen Dinge lenken zu können, Schmerzen zu lindern, ist ein großartiges Geschenk. Deshalb danke ich allen Patientinnen und Patienten, die mir ihr Vertrauen schenken, sie genau da begleiten zu dürfen.
Was würdest du jemandem sagen, der gerade überlegt, ob Osteopathie der richtige Weg ist?
Die Osteopathie befindet sich gerade an einem Scheideweg. Wir haben viele traditionell verwurzelte Kolleginnen und Kollegen, die alte Konzepte leider zu wenig hinterfragen und zu unkritisch anwenden. International herrscht aber eine große Aufbruchstimmung, wo die Osteopathie mehr und mehr systematisch erforscht wird und ihre Wirkmechanismen wissenschaftlich beleuchtet werden. Die Osteopathie als Beruf weiter mitzugestalten und entsprechende Weichen mitzustellen sind eine große Herausforderung aber auch eine einmalige Möglichkeit, die sich gerade bietet.
Wem würdest du die Ausbildung oder das Studium empfehlen?
Jeder oder jedem, der in einem Gesundheitsberuf wirklich holistisch, ganzheitlich arbeiten möchte und vorrangig mit seinen Händen kommunizieren und arbeiten möchte. In der Osteopathie ist das nicht nur eine leere Worthülse, sondern gelebte Praxis.
Was bedeutet Osteopathie für dich persönlich?
Ich praktiziere Osteopathie als demutvolles Behandlungsangebot an einen sich selbst erschaffenden, autopoietischen Organismus, die Möglichkeit sich selbst zu heilen zu erleichtern.
→ Berührung ist die älteste Form der Kommunikation
→ Kritisches Denken ist in der modernen Osteopathie unverzichtbar
→ Die Schnittstelle zwischen Tradition und Wissenschaft definiert die Zukunft
→ Ganzheitlichkeit ist keine Worthülse, sondern gelebte Praxis
→ Palliativmedizin lehrt therapeutische Demut
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Andreas Brandl ist Dozent am College Sutherland, Mitglied der Fascia Research Group an der TU München und praktizierender Osteopath mit Schwerpunkt Palliativmedizin.
Das College Sutherland bietet drei Wege zur staatlich anerkannten Osteopathie-Ausbildung:
→ Berufsbegleitende Osteopathie-Ausbildung für medizinische Fachkräfte
→ B.Sc. Studium mit Abschluss in Osteopathie – Teilzeit für Berufstätige
→ B.Sc. Studium mit Abschluss in Osteopathie – Vollzeit für Schulabgänger
Standorte: Berlin, Hamburg, Stuttgart
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Telefon: 040-879768904
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