Faszien sind mehr als nur Bindegewebe. Sie sind dynamische Strukturen, die auf Stress reagieren, Emotionen speichern und sogar Erinnerungen beeinflussen können. Was lange als passive Hülle galt, entpuppt sich in der aktuellen Forschung als hochsensibles Kommunikationssystem zwischen Körper und Psyche.

In der Podcast-Folge „FASZINIEREND – Faszien, Muskeln & unerklärliche Beschwerden“ gibt unser wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Andreas Brandl Einblick in genau diese Verbindung. Das Gespräch zeigt, wie eng Biomechanik und Psychoneuroimmunologie miteinander verwoben sind – und welche neuen Behandlungsperspektiven sich daraus ergeben.

Ein Gespräch, das überrascht

Dr. Brandl verbindet in diesem Podcast wissenschaftliche Erkenntnisse mit überraschenden Alltagsbeobachtungen. Er erzählt, warum ein Ehekrach die Forschung beflügeln kann, wie bewegliches Fasziengewebe den Fokus negativer Erinnerungen verschiebt und welche Rolle Angst und Erwartung bei Rückfällen nach Krebserkrankungen spielen. Dabei wird deutlich: Die Wechselwirkungen zwischen Depressionen und myofaszialen Beschwerden sind weitaus komplexer, als viele vermuten.

Besonders spannend wird es, wenn Prof. Robert Schleip, einer der führenden Faszienforscher weltweit, von einem Quantensprung bei Dr. Brandls Forschung spricht. Was macht diese Arbeit so besonders?

Forschung, die Brücken baut

Dr. Andreas Brandl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am College Sutherland und wurde 2025 mit dem Holzschuhpreis für Komplementärmedizin sowie dem Wissenschaftspreis der Deutschen Osteopathie-Stiftung ausgezeichnet. Seine Forschung konzentriert sich auf die Biomechanik des Fasziensystems und dessen Zusammenhang mit Stress und autonomer Regulation. Das Besondere: Er verbindet Disziplinen, die bisher selten miteinander sprachen.

Zusammen mit Prof. Dr. Robert Schleip und einem internationalen Team veröffentlichte er 2024 eine retrospektive Kohortenstudie zu Rolfing Structural Integration im Journal of Clinical Medicine. Die Ergebnisse zeigen signifikante Verbesserungen der unteren Extremitäten- und Thoraxmobilität. Mit dem niederländischen Kollegen Robbert van Amstel entwickelte er Ground-Truth-Daten für die automatisierte Ultraschall-Quantifizierung von Faszienverschiebungen, publiziert 2025 in Nature Scientific Data.

Besonders innovativ ist seine Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. Christian Schubert vom Labor für Psychoneuroimmunologie der Universität Innsbruck. Gemeinsam untersuchen sie erstmals den Einfluss von Alltagsstress und Herzratenvariabilität auf die thorakolumbale Fasziendeformierbarkeit bei Sportkletterern. Dieser methodische Brückenschlag zwischen Psychoneuroimmunologie und Sportwissenschaft eröffnet völlig neue Perspektiven auf das Zusammenspiel von Psyche, Stress und Körpergewebe (Sportärztezeitung, 2024; Journal of Medical Case Reports, 2024).

Warum diese Folge hörenswert ist

Für alle, die in Osteopathie, Physiotherapie oder körperorientierter Therapie arbeiten, bietet dieses Gespräch wertvolle Impulse. Es zeigt, dass erfolgreiche Behandlung nicht nur biomechanisches Verständnis erfordert, sondern auch ein Bewusstsein für die psychoemotionalen Dimensionen von Schmerz und Beschwerden.

Höre jetzt auf Spotify rein

Save-Worthy Tipp:
Faszien reagieren nicht nur auf physische Belastung, sondern auch auf emotionalen Stress. Die Verbindung zwischen Psyche und Bindegewebe öffnet neue Behandlungsperspektiven.

Studienübersicht:

Schleip R., James H., Bartsch K., Jacobsen E., Lesondak D., Miller M.E., Brandl A. (2024). Rolfing Structural Integration and mobility. Journal of Clinical Medicine

Brandl A., van Amstel R., Schleip R. (2025). Ground-truth data for automated ultrasound quantification of fascial displacement. Nature Scientific Data

Brandl A., Schubert C. (2024). Stress and fascial deformability. Sportärztezeitung

Brandl A., Engel R., Egner C. et al. (2024). Case study on sport climbing and fascial tissue. Journal of Medical Case Reports


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